Trennungsstress ist kein „Trainingsfehler“, kein Drama und schon gar kein Zeichen von Verwöhnen.
Er ist evolutionsbedingt – und beginnt deutlich früher, als viele denken: bereits in der Welpenphase.
Warum Welpen von Natur aus nicht alleine sein können
Ein Welpe ist biologisch darauf programmiert, nicht allein zu sein.
In der Natur bedeutet Alleinsein für einen Welpen: Lebensgefahr.
Evolutionslogik:
- Entfernt sich ein Welpe von seiner Mutter, jault er
- Das Jaulen sorgt dafür, dass die Mutter ihn wiederfindet
- Der dabei empfundene Stress (Trennungsstress) hat eine klare Funktion: Der Welpe lernt: Geh nicht zu weit weg.
Am Anfang gilt dieses Sicherheitsgefühl der Wurfgruppe, später ganz konkret der Mutter.
👉 Stress ist hier kein Fehler, sondern ein Schutzmechanismus.
Vom Muttertier zum Menschen – was im neuen Zuhause passiert
Zieht ein Welpe bei uns ein, verschwindet seine Mutter schlagartig.
Was bleibt, ist sein Instinkt:
Ich brauche Nähe, um sicher zu sein.
Deshalb:
- sucht der Welpe Körperkontakt
- folgt seinem Menschen auf Schritt und Tritt
- protestiert, wenn Nähe plötzlich wegfällt
Das ist normal, gesund und erwartet.
Warum „Box in einem anderen Zimmer“ problematisch ist
Wenn ein Welpe:
- alleine in einem anderen Raum
- eventuell sogar hinter einer geschlossenen Tür
- und ohne Körperkontakt
untergebracht wird, widerspricht das komplett seiner biologischen Erwartung.
👉 Für den Welpen fühlt sich das an wie:
Alleine gelassen = Gefahr
Das Resultat:
- Jaulen
- Fiepen
- Stressreaktionen
- Erlernte Hilflosigkeit oder später echte Trennungsprobleme
Nähe ist keine Schwäche – sie ist Regulation.
Nähe reguliert das Nervensystem
Was hilft Welpen wirklich?
✔ Nähe
✔ Sichtkontakt
✔ Körperkontakt
✔ Geräusche & Gerüche des Menschen
✔ Sicherheit durch Anwesenheit
Ein Welpe, der sich sicher fühlt, kann überhaupt erst lernen, später kurz allein zu bleiben.
💡 Alleine bleiben ist kein Grundbedürfnis – Sicherheit schon.
Körperkontakt ist kein „Verziehen“
Gerade in den ersten Wochen gilt:
- Tragen
- Kuscheln
- Auf dem Schoß schlafen
- In der Nähe ruhen
➡️ Das stärkt Bindung und reduziert Stresshormone.
Ein gut gebundener Hund wird nicht abhängiger, sondern emotional stabiler.
Wolf im Hund – warum manche Rassen mehr Probleme haben
Je näher eine Rasse genetisch am Wolf ist, desto stärker ist oft:
- das soziale Bindungsverhalten
- die Näheorientierung
- die Schwierigkeit, allein zu sein
Typische Beispiele:
- Siberian Husky
- Alaskan Malamute
- Tschechoslowakischer Wolfhund
- Shiba Inu (sehr eigenständig, aber stark sozial gebunden)
- Akita Inu
Das bedeutet nicht, dass diese Hunde nie allein bleiben können –
aber:
👉 sie brauchen mehr Zeit, mehr Sicherheit und realistische Erwartungen.
Alleine bleiben ist ein Entwicklungsprozess – kein Trainingsziel
Ein Welpe lernt nicht durch „Aushalten müssen“, sondern durch:
- Sicherheit
- Wiederholte positive Erfahrungen
- Kleine, kleinschrittige Trennungen
- Rückkehr ohne Drama
Alles andere ist Überforderung.
TikTok-Serie: Meine Allein-bleiben-Reihe
Ich begleite dieses Thema aktuell auch ganz praktisch auf TikTok:
Alleine bleiben – Tag für Tag
- Tag 1: Nähe & Sicherheit
- Tag 2: Erste Mini-Distanzen
- Tag 3: Raum wechseln ohne Stress
- …
- Alltag statt Trainingsshow
🎥 Die Videos sind direkt hier im Blog eingebettet, damit du Theorie und Praxis zusammen siehst.
Warum ich diese Serie mache – und was bei uns schiefgelaufen ist
Ich möchte in dieser TikTok-Serie auch bewusst ehrlich sein – inklusive meiner eigenen Fehler.
Ich habe bei Zwergi den Fehler gemacht, mich selbst unter Druck zu setzen:
- zu früh
- zu lange
- zu schnell
Ich habe versucht, das Alleinebleiben zu „trainieren“, obwohl sie emotional noch nicht so weit war.
Rückblickend weiß ich: Ich habe ihre Stresssignale unterschätzt.
Es gibt Videos von ihr, in denen sie nicht einfach fiept, sondern regelrecht heult wie ein Wolf – aus purer Angst. Wenn ich sie finde, werde ich sie auch zeigen, weil genau das verdeutlicht, was echter Trennungsstress ist.
Die Folge davon ist, dass sie mit ihren eineinhalb Jahren aktuell faktisch nicht alleine bleiben kann.
In ihrer Läufigkeit ist das Thema nochmal komplett pausiert – und das ganz bewusst. Ich nehme Rücksicht darauf, weil hormoneller Stress zusätzlich alles verschärft.
Aktuell bedeutet das für mich:
- Ich kann nicht spontan zum Arzt
- Ich kann nicht einfach weg
- Selbst bei vertrauten Menschen funktioniert Alleinebleiben nicht
- Auch bei mir zuhause nicht, wenn jemand anderes da ist
Einmal war ich eine Nacht weg – sie hat bis zwei oder drei Uhr morgens durchgejault und nicht geschlafen.
Und genau da stellt sich die ehrliche Frage:
Wie soll man entspannt wegfahren, wenn man weiß, dass der Hund solche Angst hat?
Deshalb ist mir eines extrem wichtig:
Alleinebleiben sollte nicht „irgendwie funktionieren“, sondern wirklich gut aufgebaut sein.
Ja – man kann Glück haben.
Bei Cookie war es genau so:
- Sie kam mit ca. sechs Monaten zu mir
- Ich habe Alleinebleiben nie aktiv trainiert
- Es hat einfach funktioniert
Heute kann sie problemlos 8–10 Stunden alleine bleiben.
Aber darauf kann man sich nicht verlassen.
Diese TikTok-Serie ist deshalb:
- kein Hochglanz-Training
- kein „so musst du es machen“
- kein Versprechen, dass alles schnell geht
Sondern ein ehrlicher Einblick in einen Prozess, bei dem ich selbst nicht weiß, wohin die Reise mit Zwergi geht – aber diesmal ohne Druck, ohne Überforderung und mit deutlich mehr Verständnis für das, was Trennungsstress wirklich bedeutet.
Fazit
Trennungsstress ist:
- kein Fehler
- kein Zeichen von Verwöhnen
- kein Problem, das man „wegtrainiert“
Sondern:
ein evolutionär sinnvoller Schutzmechanismus,
der nur dann problematisch wird, wenn wir ihn ignorieren.
Nähe am Anfang ist keine Sackgasse –
sie ist die Grundlage für echte Selbstständigkeit. 🐾

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